10 Fragen an Bizarrlady Frau Anna Schmidt

Es bringt ja nichts, wenn ich alles so mache wie andere es machen

Johanna Weber -- 27.01.2023   Themen: Kolleg*innen Rollenspiel Kaviar

Bizarrlady und Domina Frau Anna Schmidt  mit Wetlook-Body

Wir sitzen im Schwarzen Cafe in Berlin. Es ist gewohnt voll, aber wir haben eine gemütliche Ecke für uns gefunden. Anna und ich haben uns durch das gemeinsame sexarbeitspolitische Engagement kennengelernt. Wir hatten dann auch schon einige großartige gemeinsame Sessions, und die Wellenlänge stimmt absolut. Anna ist noch am Anfang ihrer Sexarbeits-Karriere, aber ihre Lebenserfahrung und Neugier auf Menschen hilft ihr sehr, dass sie erstaunlich schnell Fuß gefaßt hat.
Der erste Kaffee ist ausgetrunken, und der zweite ist bestellt. Los geht es mit dem Interview.

1) Wie bist du zur Sexarbeit gekommen?

Ich war lange Jahre Geschäftsführerin im Medienbereich und habe nach einer längeren Krise beschlossen, mich beruflich zu verändern. Sexarbeit war für mich dann ein Experiment. Ich habe zunächst eher im privaten Bereich gearbeitet und Haus&Hotelbesuche gemacht. Das hat gut funktioniert.

2) Wie hast du den Anfang gemacht?

Ich habe einfach mal bei einem Kleinanzeigen-Portal eine Anzeige geschaltet.
— lacht herzlich —
Über diese Gratis-Portale schimpfen ja alle Kolleginnen: „Kannste völlig vergessen…“, aber ich habe gleich zu Beginn zwei ganz liebe Kunden dadurch bekommen. Man muss selber rausfinden, was für einen am besten funktioniert.
Und das nicht nur bei der Werbung, sondern auch bei der erotischen Dienstleistung. Es bringt ja nichts, wenn ich alles so mache wie andere es machen. Ich muss ja meinen Weg gehen. Nur dann wird das auch gut.

3) Wie ging es nach diesen ersten Versuchen weiter?

Ja, ich wollte dann professioneller werden. Ich wollte weg von den Hausbesuchen und lieber an einem festen Ort in einem komplett eingerichteten Studio tätig sein. Zunächst habe ich in Mietlocations gearbeitet. Es dauert ja ein wenig bis man ein Studio findet, wo man anfangen kann und wo man auch gut reinpaßt. Und ich bin nun in einem tollen Studio angekommen, in dem ich mich sehr wohl fühle - das Alpha Omega -> https://studio-alpha-omega.com/
Ich bin kein Typ für Reisen zum Arbeiten in anderen Städte, wie es viele Dominas machen. Ich will mir hier in Berlin was aufbauen - ganz langfristig. Ich bin ja auch ein Berliner Mädel. Bin hier aufgewachsen und habe hier fast mein halbes Leben verbracht. Ich bin hier Zuhause. Und ich bin eine echt treue Seele, und ich mag Stabilität und Zuverlässigkeit.

4) Warum ist das Arbeiten in einem Studio besser als Hausbesuche?

Nun, ich hab da ja erst mal speziell zum Spielen eingerichtete Räume, und ich kann da ganz andere Dinge machen als in einer Wohnung oder einem Hotelzimmer.
Das Treffen findet dann in „meiner“ Umgebung statt, und ich komme in keine fremde Umgebung, somit kann ich ganz anders souverän sein. Es ist mein Raum. Ich kann dann viel intensiver arbeiten - eine andere Qualität. Und ich spüre auch bei meinen Gästen, dass der Respekt anders ist als wenn ich zu ihnen nach Hause komme. Das ist eine tolle Grundlage für intensive Sessions.

5) Wie bist du auf den Namen Frau Anna Schmidt gekommen?

Ich gehöre ja zum etwas älteren Semester, und da paßt das Fräulein irgendwie ja nicht. Und Lady, Mistress, Domina oder Herrin fühlt sich ganz komisch an für mich.
FRAU fand ich irgendwie gut. Und zu Anna Schmidt kam ich über einen ganz alten Ärzte-Song. Und dieser typisch deutsche Name paßt auch zu mir, denn ich bin ja deutschsprachig, da muss ich ja nichts Englisches künsteln.
Einfach Frau Anna Schmidt.
Ein Name der auch super für schöne Rollenspiele paßt.
Frau Schmidt kann streng sein, aber ich kann auch Anna sein.
Beim ersten Kontakt mag ich es aber, wenn ich mit Frau Schmidt angesprochen werde - und gerne auch per Sie. Die Ansprache kann sich dann ja je nach Setting ändern.
Mir ist dabei der persönliche Kontakt wichtig. Ich telefoniere am liebsten mit den Menschen, die zu mir kommen wollen. Ich bekomme da ein besseres Gefühl, als wenn wir nur Mails oder WhatsApps schreiben. Und ich spiele ja auch sehr gerne direkt ab Tür. Das heißt wir müssen schon alles im Vorwege absprechen.

6) Wer ist Frau Anna Schmidt? Was zeichnet dich aus?

Es gibt nichts, was es nicht gibt. Mit mir kann man erst mal über alle Dinge sprechen. Ob man die dann umsetzten kann ist ja noch mal was anderes, aber ich Gespräch gibt es für mich erst mal keine Grenzen.
Ich bin sehr körperbetont - ich mag die körperliche Nähe.
Nähe kann für mich mütterlich oder auch sexuell sein. Ich kann die fürsorgliche Trösterin sein, aber ich kann auch sehr berührbar sein bis zum Geschlechtsverkehr, wenn es zur Session paßt.
Daraus kann man wunderbare Spiele mit Nähe und Distanz machen.
Ich baue Sessions gerne langsam auf, und bin nicht für die schnelle Nummer zu haben.
— lacht herzlich —
Schon bei der Namensgebung habe ich ja an Rollenspiele gedacht. Besonders reizen mich auch komplizierte Rollenspiele. Ich tauche in diese Rollenspiele wirklich ganz tief ein. Ich liebe es, wenn alles verschmilzt und wir beide nicht mehr unterschieden können zwischen Realität und Session. Das Gefühl in einer anderen Welt zu sein. Sowas spiele ich gerne direkt ab Tür ohne Vorgespräch. Dann können wir von Anfang an eintauchen oder abtauchen.

7) Welche Entwicklung hast du als Anna Schmidt schon gemacht?

Oh ja, da hat sich einiges geändert. Am Anfang habe ich angefangen mit Fußfetisch, und das hat sich dann Stück für Stück entwickelt.
Ich hätte mir niemals träumen lassen, dass ich mal NS und KV-Sessions mache.
Ich hab mir das aber aufgrund meiner Offenheit und Neugier einfach mal angeschaut und entschieden immer neue Dinge zuzulassen. Vieles mußte ich ja auch erst ausprobieren und für mich entdecken.

8) Was ist der Reiz an diesem Schmuddel-Thema?

Mittlerweile mache ich Dirty-Session wirklich sehr, sehr gerne.
Der Reiz an Kaviar oder Natursekt ist für mich diffizil.
Es ist zum einen das gesellschaftliche Tabu, was mich reizt, und dann die damit einhergehenden tiefen Erfahrungen, die man mit der Grenzüberschreitung macht.

9) Was würdest du einer Kollegin, die ganz am Anfang steht mit auf den Weg geben?

Sich nicht zu verstellen und zu dem stehen was man macht.
Und wirklich ehrlich sein.
Aber ganz zuerst würde ich empfehlen zu einer Beratungsstelle für Sexarbeitende zu gehen. Das habe ich auch gemacht. Ich war bei Hydra in Berlin, und die erklären einem die ersten Schritte.

10) Du engagierst dich ja in der Politikgruppe des Berufsverband BesD. Warum?

Ich denke das es wichtig ist, dieses Thema gesellschaftlich zu etablieren.
Es muss aus dieser Nische raus, dieser Tabuzone und der Stigmatisierung.
Ich möchte dazu beitragen, dass Sexarbeit weiter legal bleiben kann.
Und deshalb engagiere ich mich im Berufsverband.


Frau Anna Schmidt -> https://www.frau-anna-schmidt.de

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