Als Domina in Zürich

Eine soziologische Betrachtung

Johanna Weber -- 09.03.2011   Themen: Studios

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Eine Woche liegt nun hinter mir. Eine Woche als Domina in einem Studio in Zürich. Es war für mich ein großer Genuss, in dieser „schaurig“ schönen Stadt arbeiten zu dürfen.

Meine Freizeit habe ich intensiv genutzt für Stadtbesichtigungen und sogar Museen.

Bezogen auf die Arbeit habe ich einige lustige soziologische Studien angestellt und die Schweizer mit den Deutschen Kunden verglichen. Liebe Schweizer, ihr schneidet nicht schlecht ab.

Was war anders an der Domina-Arbeit im Vergleich zu Hamburg?

Schweizer sind interessanterweise wirklich akkurater als Deutsche.

Während es in Deutschland eine verbreitete Unsitte ist, Termine mit Domians auszumachen und nicht zu erscheinen, sagen die Schweizer immer ab, falls ihnen der Arsch auf Grundeis geht. Dies tun sie in der Regel per SMS, was sie wesentlich besser beherrschen als Deutsche Männer.

Interessant ist auch, dass die Schweizer tatsächlich nicht in der Lage sind über Preise zu feilschen. Es ist ihnen sehr unangenehm. Die Geiz-ist-geil-Menthalität hat glücklicherweise in der Schweiz keinen Einzug gehalten, und wird es sicher auch nur begrenzt tun.

Für Deutsche Studio-Gäste, die den Weg nach Zürich machen, sind die Preise leider ein negativer Kulturschock. Der Preis für eine dominante Stunde beläuft sich üblicherweise auf 500 Franken, was ca. 400 Euro sind. In Deutschland völlig unmöglich. In jedem Studio in Zürich muß 50% abgegeben werden. Wer seine eigenen Kunden mitbringt, muss immer noch 40% abgeben. Die Anzeigen in der Zeitung sind exorbitant hochpreisig - wie eben alles in der Schweiz. Man wird also nicht wirklich reich als Domina.

Lustig ist das Kommunikationsverhalten. In der Schweiz gibt es zwei Arten von Besuchern. Die einen bringen kaum ein Wort raus, wenn sie plötzlich eine hochdeutsche Stimme an anderen Ende der Leitung hören und die andern wissen sehr konkret, was sie möchten. Dies ist sehr angenehm.

Sie erwarten nicht so viel von dir, wie in Deutschland.

Der Schweizer an sich ist ja auch ein bescheidener Mensch, im Gegensatz zu den arroganten Deutschen. Dies wird uns Deutschen zumindest nachgesagt.

Die Feindlichkeit den Nachbarn aus dem Norden gegenüber ist gerade in Zürich deutlich zu spüren, allerdings nur wenn man hinter die Fassade schaut. Denn der Schweizer sagt ja nie direkt, was er denkt. In Zürich gibt es mittlerweile 13% Deutsche. Das gleicht schon einer kleinen Invasion. Vor diesem Hintergrund kann ich die Sorgen der Schweizer durchaus verstehen, denn Hochdeutsch ist für viele wirklich eine gefühlte Fremdsprache. Sie fürchten um ihre Identität und ihre Kultur, denn wir Deutschen nehmen mit einer uns eigenen Selbstverständlichkeit diese Stadt ein.

So viel zu meinen unprofessionellen soziologischen Studien.


Es gibt zwei sehr empfehlenswerte Bücher zu diesem Thema:

Grüezi Gummihälse. Warum uns die Deutschen manchmal auf die Nerven gehen
von Bruno Ziauddin

Exgüsi: Ein Knigge für Deutsche und Schweizer zur Vermeidung grober Missverständnisse
von Sandra Willmeroth & Fredy Hämmerli

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