Tag 2 - Bericht über drei Tage im Dominastudio

Arbeitsalltag in der Sexarbeit - Heute ein Tag an dem richtig was los ist

Johanna Weber -- 21.07.2023   Themen: Studios Kolleg*innen Gedanken

Die Kleiderspinde in einem Dominastudio

Heute ist der zweite Tag meines Gastaufenthalts im Studio Nordic in Oldenburg.

Kali und ich haben uns zum Frühstück im Studio verabredet. Leider ist es ja verboten, dass wir im Studio übernachten. So müssen wir uns zusätzlich noch Hotel- oder Pensionszimmer mieten. Nicht nur ich habe gar kein Problem damit, in meinem „Puffzimmer“ zu übernachten. Im Gegenteil, wenn ich irgendwo zum Arbeiten hinfahre, dann will ich da Geld verdienen, und wenn dann um 23:00 noch einer kommen will, dann mache ich den natürlich noch. Aber keine Sorge, es gibt auch Tage, da macht man Schluss und nimmt keinen mehr. Außerdem kommen eh eher zu wenige Kunden als zu viele.
Und wer hat das Übernachten in Prostitutionsstätten verboten?
Das Prostituierten Schutz Gesetz - ProstSchG- §18 Abs.2.7

Aber kommen wir nun wieder zum Alltag im Studio Nordic.
Kali ist nun beim Wäschefalten.
Ja, in jedem Studio oder Bordell werden die Handtücher anders gefaltet. Ich habe mal in einem Studio gearbeitet, da gab es eine Handtuchfaltanleitung. Die war handgemalt wie bei Ikea-Möbeln…

Mein erster Gast kommt um 13:00 Uhr und jetzt ist es 10:00 Uhr.
Ich gehe jetzt auf meine Joggingrunde.
Ich mache heute die lange Runde.
Ich binde gerade meine Laufschuhe zu als das Telefon klingelt.
Ob ich denn noch Zeit hätte am Nachmittag. Er wolle so gerne was mit Stumpfhosen machen…. Ach, wie blöd, denn das liebe ich wirklich, aber ich hab da ja schon Termine. Später oder Morgen kann er leider nicht.
„Kali, willst du noch was machen bevor du wieder nach Hause fährst?“
Schon wandert der Telefonhörer rüber zur Kollegin, und die beiden verabreden sich.
Prima.

Leider sagt der Strumpfhosenfreund später doch wieder ab. Aber immerhin sagt er ab, denn oft sitzen wir aufgestrapst da und die lieben Kunden erscheinen nicht.

Ich komme wieder vom Joggen und Kali hat in der Zwischenzeit einen Spontangast verwurstet….
Hier kommen sonst nie Spontagäste. Wo der plötzlich herkam - keine Ahnung.

Ich bin gerade beim Umziehen als Kollegin, Blossom, reinkommt.
Sie trägt ein sehr hübsches Sommerkleid in hellblau, was gut zu ihren blonden Haare paßt. Auf der Straße würde niemand auf die Idee kommen, was sie so beruflich macht…

Kali und ich haben ordnungsgemäß nicht den kompletten Küchentisch mit unseren Sachen zugemüllt, und so findet Blosson gleich ein Plätzchen.

Es klingelt. Mein erster Gast kommt. Stumpfhosen und Natursekt.
Ich trage eine sündhaft teure Stumpfhose von Wolford unter meinem knappen Body. Aber es stellt sich schon im Vorgespräch raus, dass es doch eher das günstige Modell aus dem Drogeriemarkt sein soll, was man dann auch kaputt machen kann….
Wurde eine schöne Session mit einem sehr sympathischen Mann in meinem Alter.

Kali und Blossom diskutieren in der Küche über irgendwas.
Ich steige da gar nicht ins Gespräch ein, denn ich wollte nur meinen Putzeimer mit Wasser holen.

Dann kurze Verabschiedung von Kali. Sie macht sich auf den Weg zurück in die Heimat, nach Bielefeld.

Blossom und ich erwarten beide um 15:00 Uhr einen Gast.
Sie erzählt, dass sie ihrem Gast die Klamotten vom Leibe reißen solle, und dann würde es sehr feucht werden. „Feucht, fröhlich“ erklärt Blossom, „so kenne ich das.“ Und dabei lacht sie ihr herrlich natürliches und unbeschwertes Lachen.

Es klingelt.
Wir treten beide zusammen ins Treppenhaus. Mal sehen ob es Ihrer oder Meiner ist.
Das wäre ein Foto wert gewesen - zwei so unterschiedliche Frauen, die eine halb so alt wie die andere. Die eine blonde lange Haare und die andere braune kurze. Die eine sportlich, schlank und die andere mit wunderschönen weiblichen Rundungen.

Der Herr, der die Treppe hochstampft, will zu Blossom.
Kaum sind die beiden im großen Spielzimmer verschwunden, klingelt meiner.
Ein kräftiger Mann von Mitte 40.
Im Vorgespräch ist er mir sehr zugewandt. Das fällt auf, denn die meisten muss man erst mal „abholen“.
Session war zuerst anstrengend für mich, aber dann hab ich den Bogen raus gehabt.
Ich hatte ja auch zwei Stunden Zeit.

Als ich meinen Gast verabschiedet habe, ist Blossom am Putzen und ich geselle mich zu ihr.
Sie erzählt, dass sie vor Kurzen einem stark übergewichtigen Gast hatte, der am ganzen Körper heftige Neurodemitis hatte. Sie wirkt nachdenklich, und ich fragte sie, ob sie sich geekelt habe. Nein, das sei ja nicht ansteckend, aber er hätte sehr ungepflegte Füße mit eingewachsenen Fußnägeln gehabt. Auch das sei OK für sie, aber sie frage sich, ob sie solche Menschen zur Fußpflege schicken solle.
Ich finde JA, und das kann man auch ganz liebevoll zu denen sagen.

Für alle, die jetzt denken, dass alle unsere Kunden so aussehen: NEIN, denn mein nächster Gast hätte gute Chancen auf "Germanys Next Top-Model" gehabt.
Mitte 20, toller Body, sehr hübsches Gesicht, liebe Augen.
Früher habe ich es nicht glauben können, wenn solche bildhübschen Jungs zu mir wollten, aber mittlerweile weiß ich, dass sie mein Alter und meine Erfahrung schätzen. Und außerdem finden die mich echt schön. Das sind nur wir Frauen, die wir immer meinen, wir seinen nicht schön genug.

Als ich beim Putzen bin, kommt Inhaberin, Nica rein.
„Ich dachte, du hast heute frei?,“ begrüßte ich sie. Sie wollte nur ein Paar neue Latexsachen bringen. Aber dann war sie natürlich doch wieder den ganzen Abend da. In so einem Studio gibt es immer was zu tun.

Ich habe heute echt super viele Termine.
Schon steht der nächste vor der Tür.
So eine Session hatte ich echt schon sehr lange nicht mehr.
Ich habe die komplette Zeit im Dunklen getappt. Ich hatte das Gefühl. dass ich irgendwie an ihm vorbeispiele. Keine Reaktion. Und nach gut einer Stunde kam ich zu der Überzeugung, dass ich ihn wirklich nicht erreiche, und habe dann etwas gemacht, was ich so noch nie gemacht habe. Ich habe die Session ganz entspannt beendet. Ich habe den Vorschlag gemacht jetzt aufzuhören, und er hat das angenommen, denn er war total müde und hatte sich im Vorwege nur nicht getraut abzusagen. Ich habe ihm 100Euro wieder gegeben. Und beim Plaudern danach taute er dann richtig auf. So war es dann doch noch ein runfer Abschluss.

In der Küche kämpft Nica mit der Gestaltung der Studiowebseite.
Ich mußte ihr natürlich gleich erzählen, dass ich die Session abgebrochen habe.
Schön wenn Kolleginnen da sind. Immer alles mit sich selber ausmachen, ist nicht gut.

Nica verabschiedet sich, aber für mich ist noch nicht Feierabend.
Ein ganz alter Stammgast will um 23:00 Uhr kommen.
Ich mag den wirklich sehr, sehr gerne.
Und so fand auch ich einen schönen Tagesabschluss.


Hier geht es zu Tag 1 meines 3-Tage-Berichts

Hier geht es zu Tag 3 meines 3-Tage-Berichts


Hier noch mal die Webseiten der erwähnten Kolleginnen und des Studios:

Studio Nordic -> www.studio-nordic.de

Madame Kali -> www.madamekali.com

Adeline Blossom -> www.studio-nordic.de/adeline-blossom

Nica Nordic -> www.studio-nordic.de/nica-nordic/

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